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Trinkkuranlage – Die Bad Nauheimer Elbphilharmonie?


 

[02.08.10] „Die CDU-Fraktion kann die Aussagen Bürgermeister Witzels zum Projekt Trinkkuranlage, die in den Medien, u.a. in der Wetterauer Zeitung vom 28.07.2010 wiedergegeben worden sind, nicht unkommentiert lassem“, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Dietz, MdL. Es bedürfe nun endlich einer grundlegenden Bestandsaufnahme und Diskussion in den zuständigen politischen Gremien, die der Bürgermeister bisher konsequent vermieden habe. Die CDU habe den begründeten Verdacht, dass Witzel versuche, sich bis Ende März 2011 über die Runden zu retten. Das böse Erwachen komme sodann erst nach der Bürgermeisterwahl. Diese Wahlkampftaktik werde von der CDU verständlicher Weise nicht mit getragen. Es gehe darum, der Bürgerschaft jetzt und heute klaren Wein einzuschenken, betont Klaus Dietz. Schließlich gehe es bei diesem Großprojekt ganz entscheidend um das Geld der Steuerzahler. Was hier fahrlässiger Weise in den Sand gesetzt worden sei und werde, fehle nicht zuletzt bei wichtigen sozialen Vorhaben, wie etwa der Kinderbetreuung.

Zunächst sei es, so Dietz, notwendig, den Blick auf die Ausgangslage und Vorgeschichte zu richten. Die Trinkkuranlage sei eines der wichtigsten Objekte, die 2005 im Zuge der Kommunalisierung des Staatsbades vom Land Hessen auf die Stadt übergegangen sei. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung seien damals bis ins letzte Detail vom Verhandlungsführer der Stadt, dem damaligen Bürgermeister Bernd Rohde, in der eigens gebildeten Strategiekommission über den Verlauf der Verhandlungen informiert worden. Es sei daran erinnert, dass das Land ursprünglich Trinkkuranlage und Thermalbad zwar kostenlos, aber ohne einen finanziellen Zuschuss der Stadt übergeben wollte. Lediglich aufgrund der harten Verhandlungsführung des damaligen Bürgermeisters sei es gelungen, das Land zu bewegen, für beide Objekte insgesamt 11,25 Mio € zur Verfügung zu stellen. Dabei entfielen auf die Trinkkuranlage 7,25 Mio €, auf die Therme 4,0 Mio €. Bei den weiteren Verhandlungen bestand das Land darauf, die Stadt müsse das Geld für die Trinkkuranlage innerhalb von 5 Jahren ausgeben, andernfalls das Geld zurückzuzahlen sei. Um dieser Gefahr zu entgehen, wurde eine Umschichtung in der Weise vorgenommen, dass für die Trinkkuranlage lediglich 6,0 Mio € eingesetzt wurden, für die Therme 5,25 Mio. €. Dieses Ergebnis wurde in der Strategiekommission gutgeheißen, betont Dietz. Bei der Festlegung des Investitionszuschusses ging das Land verständlicher Weise davon aus, lediglich die Sanierungskosten für die damalige Nutzung zu zahlen. Veränderte Nutzungen, wie z.B. ein moderner Veranstaltungssaal/Sitzungssaal für die Stadtverordneten und eine Gastronomie stehe zwar im Belieben der Stadt, die diese zusätzlichen Kosten demnach zu tragen habe. Vom Bürgermeister sei mehrfach behauptet worden, ein von der Stadt beauftragter Gutachter habe Kosten von mehr als 10 Mio € genannt und deswegen Kritik an der damaligen Verhandlungsführung geäußert.
„Offensichtlich hat sich Witzel nicht die Mühe gemacht, das Gutachten zu lesen,“ bemerkt Klaus Dietz. Dann hätte er nämlich zur Kenntnis nehmen müssen, dass im gleichen Gutachten die einzig maßgebliche Grundsanierung mit 5,96 Mio € beziffert wurde.
Der Beitrag von über 10 Mio € wurde von dem Gutachter für den Fall ermittelt, dass eine veränderte Nutzung – ähnlich wie jetzt vorgenommen – realisiert werden würde. Mit anderen Worten: Hätte man auf Nutzungsänderungen verzichtet, wäre die Stadt mit den vom Land zur Verfügung gestellten Mitteln ohne weiteres ausgekommen.

Was im Verlaufe der letzten Zeit geschehen sei, und zwar in der klaren Verantwortung des Bürgermeisters, könne man getrost mit dem Desaster der Hamburger Elbphilharmonie – wenn auch in kleinerem Maßstab – vergleichen.
Seit Juli 2005 seien eineinhalb Jahre nutzlos verstrichen, bevor überhaupt das Projekt Trinkkuranlage angegangen worden sei. Enorm viel Zeit habe man im Anschluss daran verloren, weil man eine fehlerhafte Ausschreibung zur Findung eines Planungsbüros auf den Weg gebracht habe, die man daraufhin habe wiederholen müssen. Man habe versäumt, vorab den Verlauf von wichtigen Leitungen festzustellen, die erst beim Erdaushub zu Tage traten. Mehrkosten: mehrere hunderttausend Euro, sinnlos ausgegebenes Geld, wie Klaus Dietz betont. Ein Rätsel sei es ferner, dass der Bürgermeister die Mehrkosten für die Entsorgung belasteten Bodens als unvorhersehbar bezeichnet habe, wo doch jedermann wisse, dass natürliche Bodenbelastung überall in Bad Nauheim anzutreffen sei. „Peanuts“ seien allerdings diese Mehrkosten, wenn man sicher vor Augen führe, welche Kosten für die im Werden befindliche Gastronomie auf die Stadt zukommen würden. Dietz erinnert daran, dass der Bürgermeister ursprünglich forsch erklärt habe, der zukünftige Gastronom habe 500.000 € für die Einrichtung seines Betriebes aufzubringen. Nunmehr stehe fest, dass die Stadt diese Kosten zu tragen habe. Damit keinesfalls genug: Rechnet man – soweit bisher durchgesickert – die Baukosten, die Kosten für die Einrichtung des Gastronomiebetriebes einschließlich der Küche, Baunebenkosten und Unvorhergesehenes überschlägig zusammen, dürften die Gesamtkosten alleine für den gastronomischen Bereich nicht weit entfernt von 2,0 Mio € liegen, hoffentlich nicht noch höher. „Das skandalöse ist, dass weitergewurschtelt und exorbitante Kosten produziert werden, ohne dass die Stadtverordneten auch nur ansatzweise informiert werden und die Weichen stellen können. Ein eklatanter Verstoß gegen alle Grundsätze der Gemeindeordnung, macht Klaus Dietz deutlich. Darüber hinaus habe Witzel – öffentlichkeitswirksam wie üblich – nach mehreren vergeblichen Anläufen vor kurzem den Vertragsabschluss mit einem Gastronom gefeiert. Weder sei etwas über den Vertragsinhalt noch über seine Laufzeit oder mögliche Ausstiegsvereinbarungen in die Politik und die Öffentlichkeit gedrungen. „Fragen über Fragen also, die sich aufdrängen und zu denen der Bürgermeister schweigt,“ fasst Klaus Dietz diese komplexe Problematik zusammen. Unfassbar sei, dass damit das vom Bürgermeister angerichtete Chaos keinesfalls sein Ende gefunden habe. Allen Ernstes beabsichtigte er, die Stadtbücherei in den Ostflügel der Trinkkuranlage zu verlegen. 5 Jahre habe er zeit gehabt, um ein Nutzungskonzept für diesen Teil der Anlage erarbeiten zu lassen. Jetzt komme er mit einer Idee, die man nicht anders als aberwitzig bezeichnen müsse. Schon auf den ersten Blick sei klar, dass sich diese schlauchartige Räumlichkeit für eine Bücherei nicht eigne. Für die jetzige wunderschöne Bibliothek seien mehrere Millionen Euro investiert worden, für Erwerb, Sanierung und moderne technische Ausstattung. Bei einem Verkauf des Gebäudes an wen auch immer könne selbstverständlich nur ein Bruchteil des Investments als Kaufpreis erzielt werden. Stattdessen müssten wiederum Millionen ausgegeben werden. „Nachdem der Bürgermeister erst kürzlich mit seinem abenteuerlichen Projekt Neubau Eisstadion kläglich gescheitert ist, verkauft er jetzt der staunenden Öffentlichkeit ein weiteres Vorhaben, das noch realitätsfremder ist,“ stellt Klaus Dietz fest.

Die CDU-Fraktion werde demnächst alle denkbaren Schritte in die Wege leiten, um zunächst für Transparenz zu sorgen und alles daran zu setzen, um das aus dem Ruder gelaufene Vorhaben, das der Bürgermeister zu verantworten habe, wieder – soweit dies überhaupt noch möglich ist – zu einem vernünftigen Abschluss zu bringen.
 

 

 

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